Alltagsgeschichten | Bett- und Schlafstellung
Die Betten selbst wurden vor der Zeit der Industrialisierung einzeln hergestellt und je nach Vermögen des Bestellers mit ausgesägten Mustern und Füllungen verziert und häufig mit Blumen, Symbolen, sinnvollen Sprüchen oder Widmungen bemalt, dies besonders, wenn es sich um Brautgeschenke handelte. Ihre Ausführung hing ab von der Nachfrage, der Form des Auftrages und dem handwerklichen Geschick des Schreiners.

Die Betten waren im Vergleich zu heute auffällig kurz. Meist betrug die Länge zwischen 170 und 190 Zentimeter, die Breite dagegen etwa 130 Zentimeter. Zweifellos entsprachen die Masse den ganz persönlichen Bedürfnissen der Auftraggeber. Einerseits darf angenommen werden, dass früher die Menschen allgemein etwas kleiner waren als heute. Andererseits liegt ein weiterer Grund darin, dass beim Schlafen eine andere Körperhaltung eingenommen wurde. Heute liegt man eher flach ausgestreckt, während früher dicke Kissen unter Rücken und Kopf eine halb sitzende Ruhestellung ermöglichten. Deshalb genügten kürzere Betten vollauf.

Die grössere Breite erlaubte mehreren Menschen, im selben Bett zu schlafen. Es war häufig üblich, dass vor allem Kinder im Bett der Eltern übernachteten, oder man legte eines neben das andere in Schiebebetten unter jenes der Eltern. Vor allem in kalten Nächten brauchte man Wärmeflaschen, oder die Kinder legten sich beidseits der Grossmutter um sie zu wärmen.

Das Ehebett, anfänglich ein breites Doppelbett, stand gewöhnlich in der Stube. Seit dem 19. Jahrhundert wurden zwei getrennte, nebeneinander stehende Betten üblich. Ursprünglich wurde das Ehebett nicht selten als Symbol für die Herrschaft des Bauern angesehen, der dort mit seiner Frau schlief, solange er auf dem Hof befehlen konnte. Zog er sich auf den Alten Teil zurück, musste er die Stube zum Schlafen verlassen.

Es ist bezeichnend, dass die Stube in den Bauernhäusern stets mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllte; hier wurde gegessen, gewohnt, gearbeitet, gespielt, geschlafen, und man empfing auch Gäste. Um mehr Intimität zu ermöglichen, versuchte man das Bett in der Stube durch Vorhänge abzuschirmen. Diese waren oftmals eine Zierde, bewahrten das Bett und seine Insassen nicht nur vor ungebetenen Blicken, sondern behielten auch nachts und im Winter die Wärme zurück.

Eine besondere Art ist das Himmelbett, das nicht nur allseitig abgedeckt werden konnte, sondern auch noch gegen Herhabfallenden Schmutz oder Ungeziefer schützte. Zudem wurde es aus den vornehmen Haushalten übernommen und galt deshalb als repräsentativ. Das belegt eine Zeichnung in Diebold Schillings Spiezer Bilderchronik von 1484/85, in der die Ermordung des Bischofs von Lausanne dargestellt ist. Er liegt auf einem Kastenbett, an dessen unterem Ende eine Schublade auf Rollen herausgezogen ist, die zur Aufbewahrung des Bettzeuges dient. Das Kopfbrett des Bettes ist geschnitzt und der Betthimmel zurückgeschlagen. Auch Bettnischen oder Alkoven, in denen das Bett stand, trennten dieses vom offenen Stubenraum.

Das «Lotterbett», «Faulbett» oder die «Gutsche», ein kurzes Ruhebett für den Mittagsschlaf des Bauern oder die Pflege eines Kranken war oft in einem Schrank eingebaut.

Das Freilichtmuseum Ballenberg ist im Winterschlaf. >> mehr