Nr. 641
Bohlenständerbauten sind im Kanton Zürich selten geworden. Diese altertümlich anmutende Konstruktionsweise prägte jedoch bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert die Hauslandschaften der Nordostschweiz. Unser Beispiel stammt aus dem Tösstal, wo die meisten ursprünglichen Bohlenständerbauten heute ummauert oder verschindelt sind.
Während in Deutschland der 30-jährige Krieg wütete, profitierte die Landwirtschaft der benachbarten Gebiete von der prekär gewordenen Versorgung mit Getreide. Selbst im regnerischen Voralpenraum richteten sich die Bauern auf einen intensiven Getreideanbau ein und exportierten ihre Produkte nach Süddeutschland. Dieses Ackerbauernhaus ist ein interessanter Zeuge aus einer Zeit, in der selbst im oberen Tösstal der Ackerbau blühte. Es dürfte im Jahre 1690 von der reichen Offiziersfamilie Rupper erbaut worden sein.
Der Grundriss und die Konzeption entsprechen mit grosser Klarheit den einzelnen Funktionen, die der Vielzweckbau zu erfüllen hatte. Der Wirtschaftsteil gliedert sich in einen Stall mit Heubühne und ein durchgehendes Dreschtenn. Der aus Sandsteinplatten konstruierte Schweinestall auf der Rückseite stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Hinter dem Bauernhaus befindet sich der
Kornspeicher von Lindau/Tagelswangen ZH
(Nr. 642). Der Kernbau des Speichers stammt aus dem Jahre 1534. Eine erste Erweiterung und Aufstockung ist für das Jahr 1661 belegt. Im gleichen Jahr entstand unmittelbar daneben ein neues, ähnliches Gebäude, das mit dem ursprünglichen Bau verbunden wurde.

