Berner Oberland | Wohnhaus von Brienz BE (1776)


Nr. 1031
Das Doppelwohnhaus von Brienz besitzt eine prachtvoll geschnitzte Fassade. Es repräsentiert die hochstehende Baukultur des engeren Berner Oberlandes und soll der Darstellung des charakteristischen Brienzer Kleingewerbes, der Holzschnitzerei, dienen.

Auf dem hohen Mauersockel ist ein Kantholzblock mit Vorstössen gelagert. Die repräsentative Giebelfassade zeigt über und unter den Fenstern zahlreiche verschieden gestaltete Friese, die über die ganze Hausbreite durchlaufen. Im Obergeschoss und im Bereich des Giebeldreieckes kragen die Gurtbalken leicht vor, wie dies im Berner Oberland häufig anzutreffen ist. Das schwach geneigte Pfettendach trug früher Legschindeln.
An Rück- und Traufseite wurde 1867 ein Anbau mit Pferdestall, Heuraum und zwei Kammern angegliedert. Im Keller befanden sich ein Schweinestall und eine Schnitzlerwerkstatt. Auch heute kann man einem Schnitzler bei der Arbeit zuschauen und in einer Ausstellung originale Brienzer Holzschnitzereien bewundern.

Der Bauherr war wahrscheinlich der Sustmeister Heinrich von Flüe, der am wichtigen Güterumschlagplatz am Brienzersee von 1762 bis 1776 als Schiffsmann amtierte. Ab 1782 wurde das Gebäude nachweislich als Doppelhaus von zwei unabhängigen Besitzern genutzt. Auch die späteren Hausbesitzer wiesen durchwegs Verbindungen zum Transportgewerbe (Schiffer, Matrose, Kutscher, Fuhrhalter) oder Tourismus (Wirt, Bergführer, Schnitzler) auf.

Neben dem Haus steht der Dörrofen von Brienzwiler BE (Nr. 1032), in dem früher Früchte zum Versüssen der langen Winterabende gedörrt wurden.